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23. Sep, 2017

 

Die menschenüberfüllte Leere

großstädtischer Häuserschluchten

hat mit der menschenleeren Fülle

entlegener Gebirgsschluchten absolut nichts gemein.

 

© gerhard egger, 2017

17. Jul, 2017

 

Mit Wilfried Scheutz ist heute einer meiner frühen musikalischen Weggefährten gegangen. Er war schon immer ein durch und durch gerader Friedl gewesen. So antwortete er seinerzeit in der Goiserer HS auf die Mahnung unseres gemeinsamen Musiklehrers Franz Atzmansdorfer, er möge doch die Gitarre genauer spielen: "Wenn der Gerhard den Solojodler rhythmisch genauer singen tät, könnt ich ihn auch genauer begleiten." Und ich muss gestehen, er hatte damit nicht ganz unrecht. Leider haben sich danach unsere Wege nur mehr unregelmäßig gekreuzt. Trotzdem bin ich heute froh darüber, später mit „Sag warum“ wenigstens einmal einen Song für ihn komponiert zu haben. Er war in seiner goiserisch (Mutter) - gosauerischen (Vater) Eigenart ein ganz Großer.

30. Jun, 2017

 

wahrheit

 

hinter mimischen kulissen

wohnt die wahrheit unserer zeit

wird die maske ihr entrissen

heuchelt sie betroffenheit

 

korrumpiert sie das gewissen

tut sie sich meist selber leid

und nach schalen kompromissen

macht sich ungewissheit breit

 

hinter sprachlichen ergüssen

birgt die wahrheit ihr gesicht

wird die hülse ihr entrissen

tritt sie ungeschminkt ans licht

 

heult als mime sie ins kissen

gibt die wahrheit sich bewegt

bis sie öffentlich verschlissen

eine neue maske trägt

 

© gerhard egger, 2008

 

wohhoad

 

hinta foisch vozonge gfriesa

is de wohhoad gän dahoam

wirchd de lorifn ihr schieda

tuats ois gangs oan aufn loam

 

braucht da gwissnswurim fuada

oft daborimt sa se seim

is da hund a no a luada

soait a se glei o de scheim

 

hintam intrigantnstodl

schloift de wohhoad iwas land

sitzt sa se wo auf a nodl

oft fochts ugän ausm gwand

 

haut se odraht iwad haisa

und gait se vom gwissn plogt

biss ois suderantenkaisa

gonz a noihe lorifn trogt

19. Mai, 2017

 

wenn alles so wäre

wie es zu sein scheint

dann wäre wohl nichts so

wie es ist

 

© gerhard egger, 2017

24. Apr, 2017

 

...während er das A seines Namens kalligraphierte, wurde er erneut von jenem Wohlgefühl befallen, das er bereits beim Aufsetzen seines ersten Briefes verspürt hatte. Schreiben! Diese jahrelang vernachlässigte Fertigkeit schien ihm plötzlich nicht mehr verzichtbar. Wenn er schrieb, fühlte er sich einfach klüger. Und bevor ihm klar werden konnte, woher er diese Erkenntnis nahm, wurde ihm ihr Hintergrund bewusst:

 Schreiben zwingt Gedanken in die Verbindlichkeit!

In diesem Sinne überflog er noch einmal die zu Papier gebrachten Zeilen und stellte fest, dass er Hanna mit keinem Wort erwähnt hatte. Und weil er verhindern wollte, dass sein Gewissenswurm davon Wind bekam, schickte er den Gedanken daran in die unaufgeschriebene Unverbindlichkeit...

 

© gerhard egger, 2006